Das Pflegeleitbild

der Diakoniestation Hachenburg-Bad Marienberg
Als Diakoniestation orientieren wir uns an dem Leitbild der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Verabschiedet wurde dieses Leitbild im September 1997 in Darmstadt und Frankfurt/Main.

 

Unser Auftrag

Wir sind eine Diakoniestation der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Wir verstehen uns als einen wichtigen Teil der Kirche, die ihren Auftrag darin hat, allen Menschen die Liebe Gottes zu verkündigen und im Handeln zu bezeugen. Als Diakoniestation tun wir dies, indem wir Menschen ohne Ansehen ihres Glaubens in besonders belastenden Lebenssituationen pflegen, begleiten und beraten.

Wir sind entgeltlich oder ehrenamtlich tätige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichen Ausbildungen, Begabungen und Fähigkeiten. Wir arbeiten zum Wohle der Kranken, Alten, Behinderten und Hilfebedürftigen zusammen und treten öffentlich für den Erhalt einer umfassenden und bedarfsorientierten ambulanten Versorgung dieser Menschen ein. Die über 100jährigen Erfahrungen der Diakoniestation der Evangelischen Kirche gibt uns hierzu ein solides Fundament. Dies ist uns Verpflichtung und Herausforderung gleichermaßen.

 

Unser Pflegeleitbild

Die Bedeutung eines Pflegeleitbildes ist uns wichtig geworden, da es doch Grundsätze und Werte für das Verhalten enthält. Nur so ist Team-Arbeit möglich und verhindert, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin nach ihrem Pflegeverständnis arbeitet.
Unser Menschenbild

Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes und dadurch in seiner Würde unantastbar, bis zu seinem Tod ein gleichwertiger Partner, der in seiner Personenwürde er selbst sein und bleiben darf.

 

Definition des Begriffs Pflege

Pflege zielt auf Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Lebensqualität durch eine zielorientierte Pflegegestaltung.
Pflege hat somit nicht nur die Aufgabe, Gesundheit wiederherzustellen, bzw. Leiden zu lindern, Pflege bedeutet auch, Menschen, die hilfeabhängig geworden sind, in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Pflege benötigt Fachwissen aus Pflege, Medizin und Sozialwissenschaft und die Fähigkeit, dem pflegebedürftigen Menschen einfühlsam gegenüberzutreten.
Wir bieten professionelle Hilfe an.

Damit distanzieren wir uns von der Einschätzung, pflegen könne eigentlich jeder, der praktische Fähigkeiten, gesunden Menschenverstand und Einfühlungsvermögen mitbringt. Der Kranke ist nie in allen seinen Teilen krank, in ihm sind immer auch gesunde Elemente (Ressourcen), die erkannt und geschützt werden müssen.

Der pflegerische Hilfebedarf muss im Zusammenhang mit der gesamten Lebenssituation gesehen werden, die Pflege ist unter individuellen, prophylaktischen und rehabilitierenden Gesichtspunkten zu planen, durchzuführen, dokumentieren und zu bewerten.

Mit anderen am Pflegeprozess beteiligten Berufsgruppen gilt es zu kooperieren.

Pflege ist immer ein zwischenmenschlicher Prozess, der Mensch ist der Mittelpunkt in dieser Beziehung und somit das Menschenbild für diese Beziehung prägend.

Wir können niemals den Menschen als Ganzheit erfassen, da er eine Persönlichkeit ist, geprägt über Jahre hinweg, nie still stehend und deshalb nicht fassbar und dennoch zu respektieren und als Individualität zu sehen. Dieser Mensch ist würdig zu behandeln, d. h. seine Einzigkeit und Einzigartigkeit muss voll erhalten bleiben, er darf in seiner Abhängigkeit nicht zum Kleinkind gemacht werden, willenlos und ohne Entscheidungsfreiheit.

Seine Bedürfnisse sind zu erkennen, Selbstpflege-Möglichkeiten wahrzunehmen und erst dann zu ergänzen, wo der Kranke allein nicht mehr zu recht kommt.

Es darf niemals zur Gewaltanwendung und zur Androhung von Gewalt kommen!

Diese Gedanken spiegeln sich in verschiedenen Pflegemodellen wieder. Das Pflegemodell nach Monika Krohwinkel scheint das geeignetste Modell für unsere Diakoniestation zu sein. Die Pflege und Versorgung unserer Patienten wird als ein Prozess begriffen, in dem die Fähigkeiten zur Selbstfürsorge durch pflegerische Handlungen ergänzt, unterstützt oder auch wiedererlangt werden. Das „konzeptuelle System fördernder Prozesspflege“ nach Krohwinkel bietet uns eine fachliche Anleitung. Anhand der bei Krohwinkel formulierten „Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des Lebens“ (AEDL) werden Fähigkeiten, Wünsche, Ressourcen und Defizite in einem fortlaufenden Prozess der Versorgung integriert.

Die Pflege hat die Aufgabe, das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden anzustreben. Dies hat in partnerschftlicher Zusammenarbeit und im Bewusstsein, dass jeder pflegebedürftige Mensch – solange das irgend möglich ist – den Pflegebedarf selbst bestimmt, zu geschehen.

Zunächst gilt es, auf den offensichtlichen Pflegebedarf einzugehen. Dieser ist in einer genauen Pflegeplanung zu erfassen, Nah- und Fernziele werden definiert und Pflegemaßnahmen dokumentiert. Hinzu kommt die Erfassung der Ressourcen, weitere Einflussfaktoren wie psychische und soziale Faktoren, finanzielle Probleme, die einen Menschen zusätzlich zu den körperlichen Gebrechen pflegebedürftig machen können.

Es ist nicht unsere Aufgabe, zu sagen, was das „eigentliche“ Problem eines Menschen ist, dazu hat niemand die Definitionsmacht. Wir nehmen immer nur einen Ausschnitt seiner Persönlichkeit wahr und unsere Aufgabe ist es, den Menschen in seiner jetzigen Situation zu sehen, seine Bedürfnisse zu erkennen und in seinem Sinn zu handeln.